Seit fast einem Monat hat sich auf dieser Seite nichts ereignet. Schade eigentlich. Aber leider wurden mir und werden immer noch von der deutschen Bürokratie Hürden gestellt, sodass ich fast an dem Punkt gelangt bin, auf den Flohmarkt Krempel zu verkaufen um paar Euro zu gewinnen um die monetäre Dürre bis evtl. Dezember zu überbrücken. Das Thema was ich mich heute aber widmen werde, folgt konsequenterweise einem Ereignis, der eine Freundschaft wahrscheinlich irreparabel beschädigt hat. Außerdem fielen mir beim Gang auf die sanitären Einrichtungen an der Universität Marburg Schmierereien auf, die mit dem Thema sehr zu tun haben. Die Rede ist von den Antideutschen.
Leider hat ein Freund von mir, der schon zu Beginn des Studiums ein Radikalatheist war und immer noch ist, sich mit der Zeit den Antideutschen so genähert, dass er, obwohl er dieses Jahr bei den Landtagswahlen in Hessen gewählt hat, bei den Bundestagswahlen bewusst einen ungültigen Stimmzettel abgab, indem er auf die Rückseite “Kommunismus” schrieb. Nun man kann ja sagen, dass dies seine freie Entscheidung ist. Klare Sache. Aber die Frage lautet jedoch, wie weit die Antideutschen noch eine richtige Bindung zu den gesamten Linken haben, die eben die, nach Marx, politische Vorhut für den Kommunismus ist. Die allgemeine Kritik der Antideutschen, also die Linke wegen antisemitischen Ideen und Tendenzen, wie z. B. die Verteilung von dem Verschwörungsfilmchen “Loose Change”, der sich mit den Anschlägen auf die beiden Zwillingstürme des World Trade Centers beschäftigt und diese “kritisch” hinterfragt, teile ich auch. Die Seite Faschismus 2.0 beschäftigt sich mit diesen Paranoikern, die sich als Neofaschisten mit demokratischem Anstrich entpuppen, die eben “nur” von ihrer Meinungsfreiheit Gebrauch machen wollen und die Öffentlichkeit “aufklären” möchten. Es ist deshalb kein Wunder, dass unter den PIRATEN, die sich ja als Vertreter des 2.0 definieren, Braune vorhanden sind. Diese Kritik ist berechtigt und ist vor allem nützlich, da der Antisemitismus eine Form des Rassismus ist und nicht toleriert werden darf und dagegen aufgeklärt werden muss.
Doch entgegen des sehr nützlichen Korrektivs, reihen sich die Antideutschen in das Feld der Neokonservativen und Neofaschisten ein und betreiben zum eine eurozentristische Befreiungsideologie a la “The White Man’s Burden” , indem die Krisenherde im Nahen Osten dadurch erklärt werden, dass die Menschen, dank ihrer Religion, was der Islam ist, immer noch im finsteren Mittelalter leben und sie deshalb zu Demokratie erzogen werden und vom Islam befreit werden müssen, da diese faschistische Ideologie sie totalitär beherrscht. Doch es gehtnoch ein Schritt weiter. Im Text “H-Relativ” habe ich erläutert, dass gewisse Kreise den Faschismus auf Hitler und den Holocaust reduzieren. Der Zweck dieser Reduzierung dient dazu, die Kräfteverhältnisse innerhalb der faschistischen Systeme, die nämlich sehr den Kräfteverhältnissen der Bundesrepublik und auch den anderen kapitalistischen Staaten ähneln, zu verschleiern, da im Falle einer 2. Welle der Defaschisierung sie davon betroffen wären. Mit dieser verkürzten Analyse des Faschismus, ich behaupte sogar: Verharmlosung des Faschismus werden die Antideutschen zwangsläufig zu den Steigbügelhaltern des herrschenden hegemonialen Blocks.
Zum anderen auch eine Konsequenz dieses eurozentristischen Blickes, ist die Ablehnung des Konzeptes der Multi-Kulti-Gesellschaft. Dabei verbünden sich die Antideutschen sich gerne mit “intellektuellen Größen” wie Henryk M. Broder oder Ralph Giordano, der sich vor kurzem mit Thilo Sarazzin solidarisiert hat, und hegen keinen Hehl daraus, dass solche “Größen” von Leuten, die auf PI geistern vergöttert werden. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass selbst die Antideutschen keine Probleme haben, auf PI verlinkt zu werden. Die Antideutschen verlassen somit die materialistische Staatsforschung, die besagt, dass der Staat und die Gesellschaft stets aus den Kräfteverhältnissen zwischen den Klassen bestehen, und begeben sich direkt zur konservativen und/oder neofaschistischen (die Grenzen hierbei sind fließend) These, dass die Migranten, speziell die, die aus dem Nahen Osten stammen, sich weigern sich der deutschen Gesellschaft zu integrieren, da sie der Ideologie “Islam” angehören, was eine Integration unmöglich macht. Damit wird wieder eine Verhüllung par excellence betrieben, da sich die BRD bis vor ein paar Jahren sich nicht als Einwanderungsland ansah und die Migranten als sogenannte Gastarbeiter behandelte, die nach ein paar Jahren weggehen werden. Umgekehrt war dies auch der Gedanke von den meisten Migranten, wodurch auch diese sogenannte “Weigerung” entstanden ist. Dieses Problem ist kein “Ursache-Wirkung”-Problem, sondern ein dialektisches. Dieser falscher Kompromiss zwischen den Migranten und dem herrschenden Block hat dazu geführt, dass eben keine Integrationspolitik vorhanden war. Weiterhin existiert immer noch der Gedanke der Assimilation, wenn von Integration die Rede ist. Man meint zwar Assimilation, drückt es aber als Integration aus, da gefordert wird, dass sich die Migranten an die vorgesetzten Regeln des herrschenden hegemonialen Blocks anpassen müssen. Dabei sollte Integration beide oder mehrere Seiten so vermischen, dass dabei etwas Neues raus kommt. Wenn der herrschende hegemoniale Block von Integration redet, dann meint sie Assimilation. Das hat auch Adorno erkannt, der sagte, dass “der Völkermord die absolute Integration ist” (Negative Dialektik, S. 353).
“Ich will gar keinen Staat!!!111Einseinself” Häufig kritisieren die Antideutschen den allgemeinen Staatsverliebtheit der Linken, was zwar legitim ist, aber häufig auf eine Dogmatisierung und/oder Verfälschung des Marxismus hinausläuft. So schreibt z. B. Uli Krug für die Bahamas:
Dennoch hielten Marx und Engels diesen – wie Erich Mühsam später spottete – „bismarxistischen“ Charakter der sozialdemokratischen Ideologie für eine Kinderkrankheit der proletarischen Bewegung und nicht für das Wesen einer eigenständigen, sozialdemokratischen Bewegung, die in ihrer Bestimmung durch das, was Marx schon in der „Deutschen Ideologie“ als borniertes „Stammes- und Hammelbewußtsein“ (MEW 3, 31) gegeißelt hatte, von Bebel zu den heutigen No-Globals reicht.
Es ist aber merkwürdig, dass gerade Bebel sich gegen lassallianische Thesen und Bestrebungen gewehrt hat, sich mit dem autoritären preußischen Staat zu verbünden, da diese eben autoritär, undemokratisch aufgebaut war und sich auf dem preußischen Junkertum stütze. Schließlich war es auch Bebel, als Volkstribun der Arbeiterklasse, der sich für eine Demokratisierung der Gesellschaft und des Staates einsetzte, da dies in einem autoritärem System der erste Schritt für die Kräfte der Aufklärung sein muss, damit Forderungen über diese “Minimal”-Forderung erkämpft werden können. Nicht umsonst kämpfte die Arbeiterklasse und die Sozialdemokratie auch weiterhin nach der Sozialgesetzgebung von Bismarck, der nur durch die Stärke der Arbeiterbewegung zu Stande gekommen ist, für Verbesserungen und Demokratisierung. Dabei unterscheiden die Antideutschen nicht zwischen dem autoritären Staat des Typs Bismarck-Bonaparte und dem parlamentarischen Staat. Für sie gilt ein und dasselbe: “Der Staat ist der Feind”. Sie agieren genauso, wie die ultralinke KPD, als sie endgültig von dem Moskauer Genossen mit dem markanten Schnauzbart

ferngesteuert wurde. Dies war ein gravierender Fehler der KPD, da diese schon alles ab der SPD, aber vor allem die SPD, mit dem Faschismus gleichsetzte und zur Aufgabe erhob, diese zu bekämpfen. Man sucht nicht mehr potenzielle Verbündete um gegen die aufkommende Gefahr des Faschismus zu kämpfen, sondern man war auf sich und auf die kommende Weltrevolution fixiert, die, hier berufe ich mich auf Hannah Arendt, auf dem Glauben des Gesetzes der Geschichte beruht. Für die heutige Linke, hier berufe ich mich auf Abendroth und Poulantzas, ist es wichtig, sowohl innerhalb der Parlamente zu kämpfen als auch außerhalb der Parlamente. Dies sollte auch zur Folge haben, dass beide “Flügel” sich gegenseitig ergänzen und korrigieren und auf legalem Boden bleiben. Denn eine legale Aktion ist grundsätzlich immer erfolgreicher und findet auch immer Anerkennung über die Linke hinaus, wie es z. B. in der Weimarer Republik dies der Fall war, als bürgerliche Intellektuelle, Albert Einstein oder Heinrich Mann, die Arbeiterbewegung unterstützen, als sie ein Volksbegehren gegen den Panzerkreuzerbau initiierten. Zudem fällt es dem staatlichen Gewaltapparat schwieriger, solch Aktionen zu verbieten, da diese dann der endgültige Schritt zu autoritärem Staat wäre. Illegale Aktionen hingegen finden gar keinen Rückhalt, außer bei jungen linken Menschen, die noch nicht die politische Reife haben, und es fällt sowohl dem staatlichem Gewaltapparat leichter diese Aktionen zu verbieten, da diese sich auf die Unterstützung bzw. auf die fehlende Gegen-Reaktion der Bevölkerung sicher sind als auch Leuten wie dem blöden Broder leichter von Linksfaschisten zu sprechen. Um es mit Lenin zu sagen, die auch auf Antideutsche sehr wohl zutrifft, da diese sich von der Form des Korrektivs verabschiedet haben und zu einem pseudo–marxistisch-chauvinistischer Sekte mutiert sind, die auf den Wänden von sanitären Einrichtungen rumlungern:
Doch den Kampf gegen die „Arbeiteraristokratie“ führen wir im Namen der Arbeitermassen und um sie für uns zu gewinnen; den Kampf gegen die opportunistischen und sozialchauvinistischen Führer führen wir, um die Arbeiterklasse für uns zu gewinnen. Diese höchst elementare und ganz augenfällige Wahrheit zu vergessen wäre eine Dummheit. Und gerade diese Dummheit begehen die „linken“ deutschen Kommunisten, die aus der Tatsache, daß die Spitzen der Gewerkschaften reaktionär und konterrevolutionär sind, den, Schluß ziehen, daß man … aus den Gewerkschaften austreten!!, die Arbeit in den Gewerkschaften ablehnen!! und neue, ausgeklügelte Formen von Arbeiterorganisationen schaffen müsse!! Das ist eine so unverzeihliche Dummheit, daß sie dem größten Dienst gleichkommt, den Kommunisten der Bourgeoisie erweisen können.
Wie weiter mit den Antideutschen? Meines Erachtens sollte man diese weiterhin nur beachten, sofern diese sich, wie in meinem Fall, innerhalb des persönlichen Feldes befinden. Wenn dies nicht vorhanden ist, dann bitte ich beim Rausgehen aus der sanitären Einrichtung nicht zu vergessen, dass runter gespült werden muss.
Siehe auch: http://www.comunista.at/artikel/gaga-im-mainstream-die-antideutschen.html